Lovecrafter Online – 043 – Chroniken des Grauens 2: In der Gruft

Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
  1. Inhalt
  2. Kritik
  3. Technik

Schon für die erste Episode seiner neuen Reihe Chroniken des Grauens wählte Markus Winter, seines Zeichens Drehbuchautor und Geschäftsführer des Hörspielverlages WinterZeit Audiobooks, mit Dagon eine doch eher selten vertonte Kurzgeschichte Lovecrafts aus. Und auch Hörer der zweiten Episode finden mit In der Gruft eine Kurzgeschichte vor, die mir bislang noch nicht als Hörspieladaption begegnet ist.

Inhalt

Wie auch in der ersten Episode verquickt Drehbuchautor Markus Winter verschiedene Handlungsstränge in diesem Hörspiel miteinander. Während die eigentlich als Titelpate verwendete Lovecraft-Geschichte In der Gruft dabei wieder in sich abgeschlossen ist, werden die in verschiedenen Zeitepochen spielenden anderen Handlungen direkt fortgeführt und auch in dieser Episode noch nicht abgeschlossen. Um die eigentliche Erzählung in die Rahmenhandlung einzubetten, bedient sich Winter eines einfachen Kniffes: Tatsächlich ist es der bereits in Dagon als Protagonist herhaltende Randolph Carter, der die Erlebnisse aus In der Gruft über sich ergehen lassen muss. Seine Erlebnisse aus dem ersten Teil werden dabei in seiner Hintergrundgeschichte zwar berührt, spielen aber letztendlich keine Rolle in diesem neuen Hörspiel.


Anders verhält es sich mit den flankierenden Handlungen, die direkt an die Vorgängerepisode anknüpfen. Außerdem werden diese in der ersten Episode noch für sich stehenden Zwischensequenzen nun auch miteinander verwoben. So führen die Handlungen des jungen Ehepaares in Rumänien zu sehr direkten Konsequenzen für zwei Jugendliche im Jahr 2019. Wie auch schon im ersten Teil bleiben die um die Originalgeschichte gestrickten Nebenhandlungen völlig offen und laden zum Hören des dritten Teils der Serie ein.

Kritik

Wie auch schon im ersten Teil der Chroniken des Grauens hat sich Markus Winter wieder einige Freiheiten bei der Vertonung von Lovecrafts Werk genommen. Wiederum wurden Nebenpersonen erschaffen, um Monologe zu umgehen und die Vorlage hörspieltauglich zu machen. Und wiederum gelingt es Winter mit wenigen Eingriffen, eine recht werksgetreue Umsetzung in einem neuem Medium zu gestalten.


Dann ist da allerdings die Fortführung der Rahmenhandlung, die Puristen bereits in der ersten Episode gestört haben dürfte. Diese unterbricht Carters Erzählungen immer wieder und beantwortet auch in dieser Episode erst einmal weniger Fragen, als das sie neue aufwirft. Immerhin hat man sich nach der ersten Episode bereits an den Aufbau der Chroniken des Grauens gewöhnt, sodass der Hörgenuss nicht zu komplex wird. Nichts desto trotz bleibt gerade die Frage nach der Qualität der Rahmenhandlung weiter unbeantwortet: zu ungenau und zu kryptisch ist der Zwischenstand, mit dem uns Markus Winter in das Warten auf die dritte Episode entlässt. Wiederum bleibt nur, die komplette Staffel – welche aus vier von Lovecrafts Geschichten besteht – abzuwarten, um eine abschließende Bewertung abzugeben. So lange macht mich der Zwischenstand zumindest neugierig.

Technik

Technisch gibt es auch an Die Gruft nichts zu meckern. Wirklich. Die Sprecherliste ist lang und mit einigen großen Stimmen garniert. Wiederum schlüpft Tommy Morgenstern in die Rolle des Randolph Carter und knüpft nahtlos an die überzeugende Vorstellung im ersten Teil der Reihe an. Wolfgang Pampel führt wieder souverän als Erzähler durch die Rahmenhandlungen. Und auch die übrigen Sprecher erledigen ihren Job unaufgeregt und professionell. Wie bei vielen WinterZeit-Produktionen hat Autor Winter Wert auf einen eigenen Soundtrack gelegt, der dieses Mal aus der Feder von Michael Donner stammt und unheilschwanger und tief bedrohlich daherkommt.


Weniger gefallen hat mir das Cover dieser Ausgabe, dass gerade im Vergleich zum hervorragenden ersten Coverbild eher fade und langweilig daherkommt. Immerhin stimmt aber das Eigenleben: Ein umfangreiches Booklet informiert über den Werdegang der Reihe und stellt einige der Sprecher und weitere Beteiligte vor. Technisch kann ich damit wiederum nur eine gute Note vergeben.


Fazit


Wieder machen es mir die Chroniken des Grauens nicht leicht, ein Fazit zu ziehen. Es bleibt eine gelungen umgesetzte Vertonung von Lovecrafts In die Gruft gepaart mit einer Rahmenhandlung, deren Qualität nicht wirklich ersichtlich ist und die Lovecraft-Puristen eher abschrecken dürfte. Das Ganze in technisch hervorragender Qualität. Die übrigen Teile werden zeigen müssen, ob sich die Chroniken des Grauens lohnen oder nicht.


Chroniken des Grauens 2: Die Gruft

WinterZeit Audiobooks 2020

ISBN: 978-3960662853

Beim Verlag bestellen: https://www.winterzeitstudios.…rauens-akte-02-die-gruft/