Lovecrafter Online - 030 - Azathoths Antwort

Unter dem Label Pyromancer Publishing veröffentlicht Autor Tobias Deißler Rollenspielmaterial auf DriveThruRPG.com. Dabei hat er auch bereits zwei Abenteuer für das DLG-Rollenspiel FHTAGN geschrieben und veröffentlicht. Nichts desto trotz schuf er mit Azathoths Antwort seine eigene Variante eines regelleichten, cthuloiden Rollenspiels.


Gerade einmal drei Seiten ist die als „Pay-what-you-want“ verfügbare PDF stark, wobei eine Seite dem nett anzusehenden Cover gewidmet ist, während ein übersichtlich schlichter Charakterbogen eine komplette weitere Seite einnimmt. Damit bleibt gerade einmal eine Seite, um das Regelsystem vorzustellen. Damit entfallen natürlich die üblichen Beschreibungen wie „Was ist Rollenspiel“ oder „Welche Rolle hat der Spielleiter" – Azathoths Antwort geht naturgemäß davon aus, dass Mitspieler wissen, worum es bei einem Rollenspiel prinzipiell geht.


Die Charaktererschaffung ist simpel und geht schnell von der Hand. Jeder Charakter besteht systemtechnisch aus vier Attributen – Körper, Schnelligkeit, Geist und Seele – denen ein gewisser Punktwert zusortiert werden kann. Als abgeleitete Werte stehen Wunden (entspricht dem Wert in „Körper“) als maßgebender Wert für physische Verwundbarkeit und Wahnsinn (entspricht dem Wert in „Seele“) als maßgebender Wert für psychische Belastbarkeit bereit. Eine Fertigkeitenliste gibt es nicht – stattdessen ist jeder Spieler angehalten, sich passende Fertigkeiten für seinen Charakter auszudenken und sie einem Attribut zuzusortieren. Wer sich bereits ein wenig mit rollenspieltypischen Fertigkeitenlisten auskennt, wird hier keine Schwierigkeiten haben.


Genauso simpel ist auch der Probenmechanismus. Proben werden stets gegen ein Attribut gewürfelt. Dabei wird ein W10 geworfen, dessen Ergebnis kleiner oder gleich dem Attribut sein sollte. Eine passende Fertigkeit steuert einen zweiten W10 bei, so dass das niedrigere Wurfergebnis ausgewählt werden kann. Das ist simpel – vor allem, da der Regeltext auf alle potentiellen Modifikatoren verzichtet. Hier sollte die Spielleitung, denke ich, noch passende Attributsmodifikatoren für schwerwiegende oder mildernde Umstände einfügen, um eine Probe nicht immer gleich schwierig zu machen. Der gleiche Probenmechanismus kommt ebenso im Kampf zur Anwendung sowie bei Situationen, welche die Psyche der Charaktere belasten. Dabei wurde auch an klar umrissene Auswirkungen einer kurzfristigen, geistigen Umnachtung gedacht.


Schlussendlich ist das System trotz seiner Kürze erstaunlich komplett. Es mangelt zwar an Vorgaben zur Charakterentwicklung, aber gerade für OneShots ist diese natürlich auch zu vernachlässigen. Ich empfehle allemal einen Blick zu riskieren.