Lovecrafter Online – 022 – Interview mit Tabletop Audio

Tim, du schreibst auf der Website, dass du Rollenspieler bist und die ersten Stücke für Tabletop Audio genau für diesen Zweck geschrieben hattest. Welche Rollenspiele spielst du eigentlich und sind auch cthulhoide dabei? Nutzt du dafür vielleicht sogar deine eigenen Stücke über Roll20?

Ich bin tatsächlich Rollenspieler – oder war es eher. Ich veröffentlichte die Website ursprünglich, um meine Kinder noch mehr für die Rollenspiele zu begeistern, die wir spielten. Ich fing in der Highschool in den Achtziger Jahren mit AD&D an, danach spielte ich erst wieder, als meine Kinder 5 und 7 Jahre alt waren. Wir legten mit der Red Box von D&D los, das war damals die vierte Edition. Wir spielten dann auch ein wenig Numenera, landeten dann aber schließlich bei Fantasy Flight‘s / Heidelbergers Star Wars: Am Rande des Imperiums, mit dem wir die meiste Zeit verbracht haben. Es ist mir ein bisschen peinlich, aber ich habe nie Call of Cthulhu selbst gespielt – ich besitze aber einige der Bücher der 7. Edition sowie Harlem Unbound, das die CoC-Regeln benutzt. Ich habe Roll20 auch nie selbst benutzt, ich weiß aber, dass es eine wundervolle Plattform mit einer tollen Jukebox ist!


Heutzutage habe ich nicht viel Zeit, um Rollenspiele zu spielen, weil ich irgendwie immer mit der Tabletop Audio-Website zu tun habe – sei es das Einspielen von Sounds, das Beantworten von E-Mails oder die Seite selbst am Laufen zu halten. Ich kaufe und lese allerdings weiterhin Rollenspielbücher. Dadurch bleibe ich auf dem Laufenden, was die Branche angeht und es gibt mir Ideen für meine Ambientemusik.


Es gibt bei Tabletop Audio ein Stück, das in seiner Beschreibung direkt Lovecraft zitiert: Rise of the Ancients. Was hat dich dazu bewogen, das Stück zu schreiben?

Ich schrieb einmal einen Blogartikel darüber, dass die Leute den Namen meiner Stücke nicht zu viel Bedeutung beimessen sollten. Ich möchte durch die Benennung einfach nicht, dass die Verwendung meiner Musik und die Geschichten, die damit erzählt werden können, dadurch eingeschränkt werden. Ja, Rise of the Ancients ist das Musikstück mit der offensichtlichsten Lovecraft-Referenz und es sollte deutlich machen, dass ich auch Inhalte abseits von D&D erschaffe. Ich finde übrigens, dass viele andere Stücke der Horror-Kategorie klassisch lovecraftesk sind, bis auf den Titel. Cotton Club habe ich tatsächlich für das ausgezeichnete Rollenspiel Harlem Unbound geschrieben und sollte als Hintergrund für Ermittlungen im Harlem der 1920er dienen.


Lovecrafts Horror baut ja überwiegend auf schleichendem Horror auf: Jemand verliert langsam die Fähigkeit, klare Gedanken zu formulieren und sieht hilflos dabei zu, wie ihre geistige Gesundheit dahingeht. Stücke wie Existential Dread, Terror, Asylum, Temple of the Eye und so weiter funktionieren alle in diese Richtung, die wir mit Lovecraft assoziieren.


Planst du noch weitere cthulhoide Stücke für Tabletop Audio zu schreiben?

Auf jeden Fall. Die Stücke werden ihn vermutlich nicht direkt referenzieren, aber Lovecraft-Fans werden wissen, welche es sind! Lovecrafts Stil hat über die Jahre so viele Schreibende und Kunstschaffende beeinflusst, dass viele Dinge heutzutage lovecraftesk sind, auch wenn sie nicht direkt mit Lovecraft verbunden sind. Ich habe kürzlich ein SoundPad erstellt, das auf Ridley Scotts Alien basiert, welches viele Leute für als von Lovecraft inspiriert halten.


Übrigens sollten beim Erzählen von lovecraftesken Geschichten nicht die Sounds vergessen werden, die nichts mit Horror zu tun haben. Es ist oft eine gute Idee, erstmal zu etablieren, was „normal“ ist, bevor man den Leuten dann den Boden unter den Füßen wegzieht. Wir brauchen zuerst ein glückliches Gefühl und geistige Stabilität, bevor es etwas mit uns macht, wenn wir beides verlieren. Beispielsweise tritt ein ahnungsloser Ermittler an einen Buchhändler heran, um wegen eines mysteriösen Buches nachzufragen. Für diese Situation wäre Antiquarian Study ein großartiger Beginn. Gleiches gilt für Sun Dappled Trail, wenn es einen friedlichen Ausritt untermalt, bis … Ihr versteht schon.


Vielen Dank für das Interview, Tim!