Lovecrafter online - 019 - Eine kleine Auswahl cthuloider Motive in nicht-lovecraftschen Graphic Novels

Zugegeben, die Welt der Graphic Novels ist unüberschaubar groß. Und - ebenfalls voranstellend angemerkt - bin ich keinesfalls ein Profi, wenn es um Bücher mit bunten Bildern geht. Dennoch möchte ich Euch an einigen Beobachtungen teilhaben lassen, die ich bei der Lektüre verschiedener Bände machen durfte. Denn - scheinbar - sind Lovecraft's Motive mittlerweile derart alltagstauglich geworden, dass sie auch bemüht werden, wenn wenig cthuloides in der Geschichte geschieht.

Offensichtlichkeiten

Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Graphic Novels und Comics, die sich offensichtlich an Lovecrafts Motiven bedienen. Abseits von Bänden wie Echo des Wahnsinns oder Alan Moores Neonomicon, die offen damit werben auf Lovecrafts Werk zu basieren, gibt es auch eine ganze Reihe von Crossover-Bänden, die aus Lovecrafts Ideenfundus schöpfen. So durfte bereits der berühmte Meisterdetektiv Sherlock Holmes im Necronomicon schmökern, oder die Familie Locke in der gleichnamigen Reihe gleich im ersten Band Bekanntschaft mit "Lovecraft" machen.


In diesem Artikel aber möchte ich eher Comics vorstellen, in denen der Bezug auf Lovecraft und seine Motive weniger offensiv und doch unübersehbar ist.

Die Lebende Tote

Verlag: Splitter Verlag

Link: www.splitter-verlag.de/die-lebende-tote.html

Klappentext: "Nach dem tödlichen Unfall ihrer Tochter bei Ausgrabungen auf dem verheerten Planeten Erde zerbricht Marthas Leben in tausend Scherben. Sie will nichts unversucht lassen, um ihren Verlust rückgängig zu machen - und ihre Mittel sind beträchtlich. Sie lässt den brillanten Wissenschaftler Joachim vom Mars einfliegen, der dort wegen verbotener Studien verurteilt wurde. Mit Feuereifer begibt sich Joachim an seine Arbeit, frei von moralischen Schranken und mit unbegrenzten finanziellen Mitteln. Doch wer den Toten Leben einhauchen will, muss die Konsequenzen tragen…"


Das Szenario, in dem Die Lebende Tote spielt, wurde von Olivier Vatine erdacht, Alberto Varanda schuf die beeindruckenden Bilder dieser Graphic Novel. Gleich zu Beginn des Bandes machen wir in den Ruinen der Erde die Bekanntschaft mit einer seltsam fremdartig anmutenden Rasse: dreibeinige Kraken, die Kraft ihrer Gedanken miteinander kommunizieren und auch den menschlichen Geist zu lesen imstande sind. Schwarze, meterlange Tentakel mit den wohlbekannten Saugnäpfen wecken direkte Erinnerungen an manche Illustration, die sich bereits für Lovecraft's Motive findet.


Später, im Verlauf der Handlung, erfahren wir mehr über diese seltsamen Wesen. Tatsächlich wurden sie von Menschen erschaffen, um anstrengende Arbeiten am Grunde des Ozeans durchzuführen. Zur Kommunikation wurde ihnen eine Art Gedankententakel angezüchtet, den sie auch zu Beginn des Bandes nutzten. Irgendwann verlor die Menschheit die Kontrolle über diese Wesen und bekämpften sie bis zur Ausrottung. Doch vor rund 700 Jahren tauchten die Kraken abermals auf, dieses Mal ihrerseits mit kriegerischen Absichten. Sie vertrieben die Menschheit von der Erde, die sich seither eine neue Heimat auf dem Mars errichtet hat.


"Die Lebende Tote" ist ohnehin eine düstere Geschichte, die mit vielen klassischen Horrormotiven gekonnt spielt. Doch gerade die Kraken gemahnen an Lovecraft, sowohl von der bildlichen Darstellung als auch in ihrer Geschichte, die Erinnerungen an das Verhältnis zwischen Schogothen und Älteren Wesen weckt.

END: Elisabeth

Verlag: Splitter Verlag

Link: www.splitter-verlag.de/end-bd-1-elisabeth.html

Klappentext: "Stellt euch vor...

Dass die euch umgebende Welt völlig erstarrt ist. Dass das Flüstern des Windes und das Murmeln des Regens in eine gnadenlose Monotonie verfallen sind.

Dass die bleierne Stille als absolute Alleinherrscherin alles sie Umgebende bis zur Unkenntlichkeit auflöst...

Dies ist mein Universum. Eine Welt, in der das Lied der Zeit aufgehört hat, seine Klagen anzustimmen.

Eine blutleere Zeit, bar jeder Farben, wo die Geister und verlorenen Seelen endlich den Frieden in ihren zeitlosen und majestätischen Mausoleen finden...

Ich bin 13 Jahre alt.

Mein Name ist Elisabeth.

Meine Haare sind weiß wie das Leben.

Wenn ihr möchtet, könnt ihr mich treffen.

Aber dafür müsst ihr sterben..."


Auch der erste Band der Reihe END erzählt eine düstere, wenn auch deutlich melancholischere Geschichte. Inszeniert wird die Geschichte von den beiden Damen Barbara Canepa und Anna Merli, wobei gerade letztere mit ihrer düsteren Farbgebung zur gedrückten Atmosphäre entscheidend beiträgt. Die ebenso junge wie tote Protagonistin Elisabeth wird in dem seltsam unwirklichen Schattenreich, in dem sie seit ihrem Tode "lebt", von drei unterschiedlichen Kreaturen begleitet. Da wäre zum einen Odysseus, eine Fledermaus mit Hühnerkrallen, zum anderen Leonardo, ein Frosch mit den Eigenschaften einer Spinne. Und zum dritten Napoleon, der für die Erwähnung des Buches in diesem Artikel gesorgt hat, handelt es sich doch um eine Katze, deren Läufe und Schwanz in den Schwanz einer Korallenotter übergehen. Während allen drei tierischen Begleitern ein Hang zu weitschweifigen und wortgewaltigen Dia- und Monologen gemein ist, so ist es die aufbrausende Natur und natürlich vor allem die an Tentakel erinnernde Optik Napoleons, die an Lovecrafts "Katzen vom Saturn" denken lässt, die in seinen Traumlandegeschichten eine Rolle spielen.

Ein vorläufiges Ende

Zugegeben, das war ein reichlich kurzer Streifzug durch die weite Welt der Graphic Novels. Doch wofür haben wir die Möglichkeit der Diskussion? Welche weiteren Bände kennt ihr, in die Lovecraft nahezu heimlich, still und leise Einzug gehalten hat? Und welche sind empfehlenswert?

Antworten 1

  • Zitat
    Welche weiteren Bände kennt ihr, in die Lovecraft nahezu heimlich, still und leise Einzug gehalten hat? Und welche sind empfehlenswert?

    Die Hellboy-Serie - und insbesondere deren Ableger B.P.R.D.: die Froschmenschen die dort die Welt überrennen sind schon ein sehr deutliches Zitat.


    So ziemlich alles von Junji Ito: kosmischer Horror in Reinform, ganz ohne Cthulhu-Mythos-Elemente zitieren zu müssen.

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