Lovecrafter Online – Stranger Stuff: Horrorrollenspiel in den 80er Jahren

Nun sind die 1980er Jahre nicht unbedingt als die Dekade des kosmischen Horrors bekannt geworden. Zwar war Lovecrafts literarisches Erbe nicht völlig in Vergessenheit geraten, doch war es weit davon entfernt, so populär vertreten zu sein, wie wir es heute gewöhnt sind. So war denn auch der Horror, den uns zeitgenössische Autoren, Filmemacher oder Regisseure in diversen Medien präsentierten oftmals weit davon entfernt, "kosmische" Ausmaße á la Lovecraft anzunehmen.


Auch und vielleicht gerade deswegen kann es interessant sein, die rollenspielerischen Ausflüge auch einmal in diese Zeit zu versetzen. Sei es, um dem cthuloiden Grauen durch die Fassade der 80er Jahre einen anderen Anstrich zu verpassen, sei es, um auch einmal andere Arten des Horrors zu erleben. Zwar bietet gerade das von Chaosium und Pegasus verlegte CTHULHU einige - mehr oder minder interessante - Ausflüge in die Welt der 1980er Jahre. Dennoch möchte ich heute ein anderes Rollenspiel ansprechen, welches gerade das entsprechende Hintergrundmaterial umfangreich aufzuarbeiten versteht.


Stranger Stuff...


Stranger Stuff ist ein von Fat Goblin Games verlegter Ableger der sogenannten Tiny D6-Reihe. Die Tiny D6-Engine könnte Euch hierzulande bereits einmal in Form von Tiny Dungeon begegnet sein, welches von Obscurati Publishing in deutscher Sprache verlegt wird. Es gibt mit Tiny Cthulhu auch einen cthuloiden Ableger, der hier aber nicht weiter behandelt werden soll. Kern aller Tiny D6-Spiele ist der extrem simple Probenmechanismus: Sofern der Spielleiter eine Probe verlangt, würfelt der Spieler mit 2W6. Zeigt einer der Würfel eine 5 oder 6, gilt die Probe als erfolgreich bestanden. Die wenigen Zusatzregeln und Modifikatoren sorgen dafür, dass mal ein Würfel mehr oder weniger geworfen werden darf, oder es geringe Modifikationen auf das Ergebnis gibt. Das ist alles sehr überschaubar und richtet sich freilich nicht an den Simulationisten.


Es ist auch gar nicht der simple Regelkern, der mich an dieser Stelle über Stranger Stuff berichten lässt. Und schon gar nicht die Charakterentwicklung, denn auch hier sind die Möglichkeiten eher begrenzt. Zwar will ich dem System die Spielbarkeit in keinster Weise absprechen, doch ist es hier das Hintergrundmaterial, welches mich deutlich mehr zu überzeugen weiß. Das ist freilich auch universell einsetzbar und funktioniert auch mit dem System eurer Wahl.


Das beginnt mit einer umfangreichen Filmliste: Von Zurück in die Zukunft und Die Goonies über Labyrinth und E.T. bis hin zu War Games oder Stand by me - alleine die Titel sorgen schon für die volle Dröhnung Vokuhila und Schnauzbart. Dann wendet sich der Band den zu erwartenden Spielercharakteren zu und stattet sie mit Ideen aus. Besonders interessant und erwähnenswert ist und bleibt aber ein wahrlich umfangreicher Szenarien-Generator, um die 1980er auch richtig zum Leben zu erwecken. Dazu gibt es Monster - von der Riesenspinne bis zum ausgebüxten Militärroboter wurde an alles gedacht. Das alles zusammen ergibt ein ergiebiges Rundum-Paket, um ganz im Stile von Stranger Things dem Horror in den 1980ern zu frönen.


Wer sich lieber direkt ins Abenteuer stürzen möchte, findet auf den 124 Seiten dieses Büchleins auch gleich einen komplett ausgearbeiteten Abenteuerschauplatz - einen verrückten Zirkus, der garantiert nur noch heute Abend in der Stadt sein wird. Verrückte Clowns sind fast noch das geringste Problem, welches die Spielercharaktere vor Ort erwarten dürfen. Das ganze atmet 1980er-Trash-Atmosphäre und ist damit für Genrefans absolut empfehlenswert.


Fazit: Im Dschungel der Horrorrollenspiele liegt mit Stranger Stuff eine kleine Perle vor, da insbesondere das umfangreiche Hintergrundmaterial so universell einsetzbar ist, dass es jeden Genrefreund erfreuen dürfte. Wer seinen Horror einmal in die "typischen" 1980er-Klischees verlegen möchte, der sollte hier mal ein wenig schmökern!


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