Lovecrafter Online – 084 – Iä, alles Gute zum Geburtstag, Herr Lovecraft!

Seine ersten Werke über das kosmische Grauen verfasste Lovecraft vor über hundert Jahren. Damals nur von einem kleinen Personenkreis geschätzt, gewannen seine Geschichten beständig an Popularität. Auch heute erfreuen sich immer mehr Menschen an Lovecrafts phantastischen Horrorgeschichten über die Hilflosigkeit und Bedeutungslosigkeit des Menschen im Angesicht der Schrecken aus den Tiefen des Universums. Die Corona-Pandemie und die diesjährigen Wetterextremen haben dem keinen Abbruch getan, sondern im Gegenteil geradezu die Botschaft unterstrichen, wie machtlos der Mensch gegenüber der Welt ist, wobei wir es hier nicht mit einem gigantischen Großen Alten zu tun haben, sondern mit einem klitzekleinen Virus und dem unsichtbaren Klimawandel unseres Planeten mitsamt seinen verheerenden Konsequenzen.


Lovecrafts zeitloses literarisches Erbe ist somit durchaus nicht verstaubt oder gar aus der Mode gekommen, und in Zeiten von physischem Abstandhalten, Quarantäne und Home Office vermochte es sicherlich viele Leser zu erfreuen, zu inspirieren, zu trösten und zudem innerhalb der Deutschen Lovecraft Gesellschaft untereinander zu vernetzen. Durch den Verein und seinem Angebot eines digitalen Ortes des Austausches war der eine oder andere trotz allem somit doch im Stande, neue Bekanntschaften zu schließen und virtuell unter Gleichgesinnten zu sein. Lasst uns hoffen, dass dies alsbald auch von Angesicht zu Angesicht möglich sein wird – die lockRUF wird zumindest einige Kultistinnen und Kultisten diesen Herbst aus den eigenen vier Wänden wieder hervorlocken und sie zusammenbringen können.


Fazit: Lovecrafts Literatur und Ideenwelt leben fort und schaffen es, immer mehr Menschen von sich zu begeistern. Nicht nur der stete Mitgliederzuwachs der Deutschen Lovecraft Gesellschaft zeigt diesen Trend. Man braucht sich nur im örtlichen oder virtuellen Handel umzuschauen und entdeckt dabei allerlei bibliophile Neuauflagen sowie Adaptionen in Text- oder Comic-Form von Lovecrafts Werken, eine breite Spanne an Rollenspielbüchern – seit diesem Jahr mischt auch das vereinseigene Rollenspielsystem FHTAGN in gedruckter Fassung mit – sowie allerlei cthuloide Brett- und Kartenspiele. Auch Filme, Serien und Dokumentationen, die sich mit Lovecraft oder seinem Mythos befassen, nehmen zu.


Dabei werden keineswegs die rassistischen und xenophoben Einstellungen der Personalie Howard Phillips Lovecraft beschönigt, die sich auch in seinen Schriften, seien es Briefe oder Geschichten, widerspiegeln. Die kritische Auseinandersetzung mit seinen Schattenseiten gewinnt in unseren Zeiten, in denen es sich bei Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung leider nach wie vor um aktuelle Probleme handelt, an Bedeutung. Auch die Deutsche Lovecraft Gesellschaft setzt sich innerhalb einer eigens hierfür in diesem Jahr ins Leben gerufenen AG mit ihrem Namensgeber kritisch auseinander.


All das zeigt eindeutig, dass weder Lovecraft noch sein Werk verstaubte Relikte des letzten Jahrhunderts sind, sondern zeitlos sind und bleiben. Man darf also gespannt darauf sein, was die Zukunft für die Lovecraft-Forschung, den Cthulhu-Mythos und die Deutsche Lovecraft Gesellschaft noch bringen wird. In diesem Sinne: Iä, alles Gute zum Geburtstag, Herr Lovecraft!