Lovecrafter Online – 083 – Lovecraft goes Manga: Der Schatten aus der Zeit

Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
  1. Inhalt
  2. Kritik
  3. Fazit

Gou Tanabe wurde 1975 in Tokyo geboren. Bereits seit 2004 adaptierte er Lovecrafts Werk – beginnend mit Der Außenseiter – als Manga und erhielt so immer größere, auch internationale Aufmerksamkeit. Natürlich zeichnet er auch für die vorliegende Adaption von Lovecrafts Werk in der Manga-Variante verantwortlich. Der Carlsen Verlag sorgt unter seinem Speziallabel Carlsen Manga! für die deutsche Lokalisation, in der bislang sechs Bände erschienen sind.

Inhalt

Der Schatten aus der Zeit ist nicht nur eine von Lovecrafts längeren Novellen, sondern zugleich auch ein Meilenstein in der modernen Science-Fiction-Literatur. Die Dimensionen dieser Geschichte sprengen nicht nur die Vorstellungskraft des Geistes der Protagonisten, sondern sind auch für den Leser komplex und zugleich mysteriös. Entsprechend lässt sich auch Gou Tanabe reichlich Zeit, um diese Geschichte in seinem gewohnten Pinselstrich neu zu erzählen: Der Band kommt auf stattliche 350 Seiten, die erst einmal weggelesen werden wollen. Er ist damit um einiges dicker als Der Hund oder Die Farbe aus dem All.


Worum es geht? Nun, eigentlich beginnt für Politikprofessor Nathaniel Wingate Peaslee alles recht harmlos. Zunächst plagen ihn nur ein paar Kopfschmerzen. Doch dann verliert er während einer Vorlesung sein Bewusstsein – und erwacht erst fünf Jahre später! Zumindest glaubt er das. Denn sein Körper war in dieser Zeit durchaus aktiv, unternahm Reisen, studierte verbotene Schriften und kümmerte sich kaum noch um den Alltag. Die versammelte Ärzteschaft ist von dieser seltenen Kreuzung aus Amnesie und multipler Persönlichkeit geradezu verzückt. Doch warum plagen Peaslee seither schlimme Albträume, Albträume von zyklopischen Städten aus schwarzem Basalt? Und warum entdecken Forscher in Australien Ruinen von Gebäuden, die Peaslee aus seinen Träumen kennt?


Fans und Kennern von Lovecrafts Werk muss in dieser Stelle wohl keine weiteren Details verraten und allen Neulingen sei geraten, sofort diese Geschichte zu lesen.

Kritik

Immer, wenn ich eine der Adaptionen Tanabes rezensiere, komme ich nicht umhin den hohen Detailreichtum und die künstlerische Qualität von Tanabes Zeichnungen zu loben. Der hohe Detailreichtum zahlreicher Panels korrespondiert hervorragend mit Lovecrafts adjektivbeladener Schreibe. Auch Der Schatten aus der Zeit stellt hier natürlich keine Ausnahme dar. Auch die Charakterzeichnung weiß wieder zu gefallen und es gibt viele der großformatigen, oft zweiseitigen Panels zu bewundern, welche Ruhepole und Höhepunkte der Geschichte zugleich darstellen.


Was bei Der Schatten aus der Zeit allerdings merklich ins Auge fällt, ist die Darstellung der Großen Rasse von Yith. Diese ist so omnipräsent in der Geschichte, dass man sich, dem Protagonisten gleich, schon bald an ihre Erscheinung gewöhnt hat. Kurz zögerte ich, ob ich mit dieser inflationären Darstellung von Lovecrafts Wesenheiten hadern sollte. Doch schlussendlich unterstreicht Tanabe damit die Wirkung der Geschichte, macht uns – genauso wie Lovecraft es mit Peaslee selbst tat – zu Zeugen ihrer Handlungen und ihrer Probleme. Schlussendlich geht natürlich auch eine gehörige Portion des kosmischen Horrors zwar von den Handlungen der Großen Rasse, nicht aber von ihrem Äußeren aus. Diese Rolle übernehmen die seltsamen Flugkraken, die wiederum auch von Tanabe nur als schattenhafte Bedrohung dargestellt werden, die ein menschlicher Geist kaum fassen kann.

Fazit

Schlussendlich ist auch diese Adaption einer Lovecraft-Geschichte rundum gelungen. Wer sich für eine visuelle Umsetzung von Lovecrafts Werk interessiert, darf auch hier bedenkenlos zugreifen. Die Geschichten sind feinfühlig adaptiert und großartig illustriert. Insbesondere Empfehlenswert.


Der Schatten aus der Zeit

Carlsen Manga! 2021

ISBN: 978-3551728302

Beim Verlag bestellen: https://www.carlsen.de/softcov…er-zeit/978-3-551-72830-2